Montag, 22. April 2024

Was da kreucht und fleucht in Stralsund

 Dieser Beitrag spielt im Juli 2023

Eigentlich könnte man sagen, dass man in Stralsund umgeben ist von einem (Heil-) Kräutergarten. Aus allen Ritzen und Fugen grünt und blüht es einem entgegen. Man müsste nur noch zugreifen. Doch bestimmt macht das Klicken mehr Spass und man hat so gleich sein eigenes Herbarium. Mit einer App auf dem Handy bringt das Aufnehmen der Pflanzen zusätzlich einen Wissenschafts-Nutzen. Mit jedem Melden eines Pflanzenfundortes kann das Netz des Vorkommens einer Pflanzenart dichter gewoben werden. Flora Incognita nennt sich dieses Projekt, das europaweit mit vielen Sammlerinnen und Sammlern zusammenarbeitet. Wir erfahren, wie unser hübsches Grünzeug heisst und sie erfahren, wo es sich noch wohlfühlt.

Die Stockrose blüht im Norden vor beinahe jedem Haus und bietet erst 
noch jede Menge Blütenblätter für schmackhaften Tee.
Dieses Tier ist eher im Süden Deutschlands und im Sagen-Umfeld 
verbreitet: Das Wolpertinger, bereichert aber die Wallensteintage.

Ja, ja, der Leser hat Recht, hier gehts weniger um das Tier.

In freier Wildbahn sahen wir vor einigen Jahren einen 
Seeadler vor Wiek. Er wurde von Krähen verfolgt.

Die Rauchschwalbe beim Häuserbau.
Die Wilde Möhre.
Käme man auf die Idee, das Zottige Weidenröschen in einem Hafen
zu suchen?

Auch die Wilde Malve (Verwandte der Stockrose)
würde man eher auf einem Trocken-Standort suchen.
Die Mäusegerste passt wohl eher auf ein Getreidefeld oder zum Dünen-
bewuchs.
Die Gemeine Schafgarbe hilft bei manchem Zipperlein ...
... und kann auch so aussehen.
Was man wohl mit dem Einjährigen Rispengras soll?
Die Strahlenlose Kamille hilft bestimmt bei Bauchweh.
Den Kleinen Sauerampfer liebten wir als Kind.
Der Breitwegerich wirkt desinfizierend.
Beifuss braucht man für die Grüne Fee, Pastis, aber auch bei Frauenleiden.

Weissklee.
Hier ist der Beifuss etwas ausgewachsener...
... und wächst wie auf Feldern auch in Büschen.
Flatterbinse (aus welchen man im Kinderbuch "Die Turnach-Kinder im 
Sommer") sich Schwimmgürtel zusammen- und umband.
Selbstkletternde Jungfernrebe, verwandt mit der Waldrebe oder Niele, 
welche wir als Kinder heimlich rauchten.
Eine Weidenart hat es im Gemäuer weit gebracht.
Auch die Hängebirke gibt es nicht nur in der Marsch.
Was das Kanadische Berufkraut so weitab der Heimat hier tut?
Mit den Blättern des Mauerlattich lassen sich wohl keine Wickel kochen.
Das Kleinblütige Knopfkraut tut seinem Namen alle Ehre.
Wenn es eine echte Linde ist, helfen die Blüten gegen Fieber.
Ob die Zitterpappel es bald tun muss oder noch bleiben darf?
Ein bisschen Estragon für die Bohnen oder den Braten gefällig?
Der Weisse Gänsefuss hat nichts mit unserem Gänseblümchrn zu tun, ...
-- blüht so.
Hier wäre es nun, das Gänseblümchen.
Ist sie nicht ein Traum, die Hasel, wenn man sie verträgt?
Hübsch, jedenfalls.
Eberesche oder Vogelbeere,
deren Früchte eine wunderbare Marmelade ergeben.
Roh gegessen, verursachen sie Übelkeit und Bauchgrimmen.
Die Samen der Amerikanischen Gleditschie wurden getrocknet als
Kaffee-Ersatz verwendet.
Die Grosse Brennessel wirkt mit ihren beissenden Blättern 
gegen Rheuma. Die jungen Blätter schmecken im Salat gut oder als Spinat-Ersatz.
Wenn man die Stängel geschickt behandelt, lassen sich ihre Fasern zu 
Fäden spinnen und so färben, dass sie Jahrtausende überdauern.
Der Bergahorn produziert ebenso süssen Saft, wie der Kanadische Ahorn.
Der Strauch-Eibisch oder Hibiskus ist ebenfalls verwandt mit 
Malve und Stockrose, doch seine Blütenblätter sind weniger schmackhaft.
Dafür umso hübscher.
Der Rainfarn wurde als Wurmkur verwendet und bei Menstruations-
Beschwerden. Man käme nicht gerade auf den Namen "Farn".

Vielleicht hat euch dieser Stadtrundgang ermuntert, bei euch zuhause die Augen auch im Gemäuer offen zu halten und versteckte Schätze zu entdecken. Oder die Diaschau hat euch einfach entspannt.

Bald gehts weiter, denn wir wollen, so schön es auch ist, in Stralsund nicht sesshaft werden.