Freitag, 6. Februar 2026

Nicht nur Historie in Hoorn

Dieser Beitrag spielt Mitte Juni 2025 

Wenn geisterhafter weisser Dampf dem Auspuff entsteigt

Bei strahlendem Sonnenschein und vier Beaufort Ost setzen wir die Segel. Nur auf der Höhe von Marken ist es kurz nötig, einen Schub mit der Maschine zu geben, damit wir um seine Ostkardinale gut herum kommen. Hier wird an der Verstärkung und Verbreiterung des Zugangswegs zum Leuchtfeuer sowie der Erhöhung und Verstärkung der Schutzdämme von Monnickendam gearbeitet. 

Was soll dieses Bild eines der beiden riesigen Masten der
Hochspannungsleitung?
Zu dem Zeitpunkt war uns etwas noch nicht bekannt.
Blick zurück auf Amsterdam.

Das Pferd ist zu sehen.
Fleissig am Verstärken und Verbreitern.
Ja,  genau, auch diesmal muss diese Foto sein.

So segeln wir also auf einem Bug von der IJ bis vor Hoorn, wie herrlich! Dass in dieser Gegend ein Überfluss von Kraut wächst, auch im Fahrwasser, ist bekannt. Trotzdem finden wir es unangebracht, dass sich von diesen langen lästigen Stängeln wieder welche in Schraube und Ruder verfangen haben. 

Später stellt sich heraus, dass der mangelnde Vortrieb nicht nur dem Gemüse geschuldet ist. Schon am Morgen in der IJ, nachdem wir zügig geschleust worden sind und kaum auf die Brückenöffnung warten müssen, klagt der Skipper über Unregelmässigkeiten. 

Mit behendig wechselndem Vorwärts- und Rückwärtsgang im Vorhafen Hoorn liefert der Auspuff geisterhaften weissen Dampf. An der Stadskade im Gemeentehaven Hoorn testet René weiter, füllt mehrfach Kühlflüssigkeit für den inneren Kühlkreislauf nach, weil diese scheinbar einfach verdampft. 

Am Telefon verspricht der Mechaniker, gleich am Freitag zu kommen. Da wird sich auch sofort zeigen, wie praktisch es ist, dass wir direkt an der Hafenmauer liegen.

Die 30° schafft es noch.


Genau, das Bordthermometer zeigt im Salon
gefühlt 30° (21° in der Sitzbank)

Wie versprochen, berücksichtigt der Bootsmechaniker uns auch wirklich schnell an diesem 30°-heissen Freitag. Um halb zwei ist er mit seinem Boot an unserem fest und findet Verschiedenes. Die Endursache ist ein durch Rost vergrössertes Loch am Motorblock vor dem Auspuff-Krümmer.  Doch auch anderes ist nicht gut. Die Dichtungen am Wärmetauscher wurden in Laboe 2023/24 nicht nur eingeklemmt (was der Skipper damals zum Glück rechtzeitig entdeckte und nacharbeiten liess), sondern auch falsch eingesetzt. Dies ist zwar jetzt nicht ursächlich für den Motorschaden, sondern "nur" für die Kühlung selbst.

Dichtung am Wärmetauscher hängt etwas schief.






Jedenfalls versucht Mark Gonggrijp auf Montag Ersatzteile zu finden und melde sich wieder, was dann sehr zuverlässig klappt. Das Ersatzteil passt Mark sogar farbtechnisch an seinen Einsatzort an. (info@jachtservicehoorn.nl).
Damit Mark mit seinem Boot richtig anlegen kann, hängten wir gestern die Tafel "belegt" an die Reling, nachdem wir mehrere Päckchen-Fans darüber informieren mussten, dass wir den Mechaniker erwarten. Das passt dann tatsächlich bestens. Eigentlich hätte Mark gerne, dass wir mit der Karte auf seinem Büro bezahlen würden, war dann aber damit zufrieden, dass wir ihm die Bankbstätigung des Auftrags per E-Mail senden. Wenn ihn öfters jemand über den Betrag von 2500.- Euro betrügen würde, hätte seine Werkstatt wohl kaum Dauer. Segler segeln weg.

Blumenschmuck in der Hafenmauer.
Ob der schwarze Motorsegler so bald wieder loskommt? Ein Blässhuhn
bezieht Stellung auf der Badeplattform.

Tücken der Elektronik

Wenn man reist, muss man auch immer wieder Abfall entsorgen. Häufig gelingt das ganz gut, vor allem, wenn Glas und Pet in die Läden zurückgebracht werden kann, was sich gleich mit dem Einkauf erledigt. Doch in Hoorn ist nirgends ein vernünftiger Abfall-Behälter zu finden. In der Gebrauchsanweisung zum QR-Code, den wir beim Entrichten der Hafengebühr erhalten und fotografiert haben, steht dann, dass man die Behälter mit QR-Code nutzen müsse. Aha, mal suchen.

Es ist gelungen!

Tatsächlich, von solchen stehen einige (noch) funktionierende hier in der Nähe und beim Hafenbüro. 
Die Anweisung steht deutlich oben auf dem Container. Scheint alles klar oder? Mehrere Sekunden auf den Knopf drücken, den Piepton hören und anschliessend den QR-Code scannen. 
Was kriege ich mit dem Scan?! Werbung für diverse Abfall-Systeme! Dabei sollte mit dem Scannen und auf den Knopf Drücken der Container sich öffnen. Oh je. Da steh ich nun, ich armer Tor ...  . Gerettet werde ich durch eine Mitbenutzerin, welche mir erklärt, dass da nicht mit dem Handy ein Code gescannt werden, sondern der erhaltene QR-Code an den Scanner gehalten werden müsse, also unten an dieses Ding, das da so ein bisschen schräg aus dem Kasten heraussteht, oberhalb der weissen Pfeile. Genau, da macht ein kleiner weisser Pfeil darauf aufmerksam, dass man den QR-Code scannen müsse. Irgendwie nicht nur Tor, sondern Sisiphus dazu und immer noch quasi ... so klug als wie zuvor. 

Das ist aber noch nicht das Ende, oh nein. Jetzt gilt es zusätzlich zirkusreife Artistik und Beweglichkeit zu zeigen. Der eigene QR-Code auf dem eigenen Handy ist nur ein Teil des Sesam-Öffne-Dich. Er soll bitte auch lange genug auf dem Handy-Bildschirm sichtbar bleiben, dass ich mit dem Telefon in der rechten Hand und nicht verkehrt herum unter diesen Scanner komme, während ich gleichzeitig oben mit der Linken 5 Sekunden lang auf den Knopf drücke, nach dem Piepton immer noch mit der Rechten unter dem Scanner bereit bin, mit der Dritten dann die Schublade öffne und mit der vierten Hand den Beutel auch noch hineinschwinge. Vorsicht, das Handy muss in der Hand bleiben und darf nicht mitgeschwungen werden. Uff!

Waggel durch Hoorn

Im Appelhaven sitzen wir im Kneipen-Boot und schauen den SUPern zu,
wobei das wohl für die Brücke eher Sit-up-, statt Stand-up-paddeln heisst.




Ein paar Strassen weiter: 
Was jetzt? Celly oder Kelly?
Hausregeln fürs Fest.
Das 25. Stadtfest Hoorn.
Hübscher Himmel.
Elfenwohnung mitten in der Stadt, also quasi Stadtwohnung.

Mord an Bord

Hennen-Abend: Unser Päckli-Lieger mit grosser Badeplattform muss
die Hauptperson ermorden. Das Absperrband für den Tatort wird ausgerollt.
Das Opfer darf nach dem dokumentierten Mord 
wieder aufstehen und schafft es gut zurück an Land
über die beiden Boote.
Offenbar reicht auch ein Bootssteg als Tatort, wie wir später im 
Traditionshafen sehen.
Ins Nirwana gings wohl nicht.
Die Schiffsjungen halten Ausschau nach der Bontekoe, mit der sie
1618 bis 1620 nach Ost-Indien fahren.
Doch ihr Blick reicht erst bis zur Soeverein.

Essen im Turm

Blick aufs Stadtfest von der Turm-Terrasse aus, als wir für den Abend reservieren.
Auch zum Reservieren gibts Musik.



Das Einhorn als Symbol von Hoorn hält die vier Wappen der Bürgermeister
zusammen, unter welchen der Turm seine erste Renovierung erfuhr.
Diese steile, enge Treppe führt zum Speisesaal hinauf.
Menüwahl am gelungenen Abend.
Wie in einer Nordstory aus Schweden erfahren,
schmeckt diese Kamille wirklich nach Ananas

Das Einhorn ist nicht einfach ein Pferd mit Horn auf der Stirn, sondern steht im Wappen Hoorn für Frieden und Wildheit. Obwohl England und Holland im Laufe der Jahrhunderte in viele Kriege gegeneinander verwickelt waren, gilt für beide das Einhorn als Wappentier. 

Im Turm, im dem wir nach über die Jahre immer wieder missglückten Versuchen, endlich einen Platz fürs Abendessen reservieren können (René hatte es 2019 mit Christoph zuletzt geschafft.) geniessen wir ein äusserst schmackhaftes Menü. In Holland werden die Beilagen stets sehr reichhaltig in Extra-Schälchen zum Fleisch serviert. Zum Tournedos mit Pfeffersauce wurde Spargel, Karotte, frischer Cole-Slaw, gedämpfter Chicorée mit Käse überbacken und Pommes gereicht.

Samstag, 29. November 2025

Holländer nennen es Trekpleister. Es geht erneut um Amsterdam

Dieser Blogbeitrag spielt in der ersten Hälfte vom Juni 2025

Eindrücke verarbeiten in A'dam


Weil wir noch so voll von Eindrücken unserer Nord-Atlantik-Kreuzfahrt sind, interessiert uns nicht nur, wie es der BonBini nach 14 Tagen einsamer Ruhezeit im Sixhaven geht und ob in A`dam noch alles ruhig läuft, sondern auch, was denn die Celebrity Eclipse weiter im Sinn hat. Das alles unter einen Hut zu bringen, braucht richtig Energie.

Wir gehen natürlich noch in die Stadt, um Pizza und Steak zu essen. Leider ist Fabians Pizzeria wegen Renovation geschlossen. Wir finden dann doch noch ein Lokal gegenüber "Renés Croissanterie". Leider schmeckt nur die Hälfte, nämlich die Pizza und das Cola, nicht aber das Steak und das Bier. 

Einkaufen muss auch noch sein. Dazu gehts in den Jumbo, am Hafen Äolus vorbei, kaum weiter als Dirk, aber mit viel grösserem Sortiment, ausser der Slijterij für den "Captain Morgan`s".  Zuhause (also auf der BonBini) liegt der Skipper darnieder, ist richtig krank.

Beim einen Wackel zum Jumbo begegnet die Autorin einem Pärchen mittleren Alters in Klompen, gestreiftem Hemd und schwarzen Hosen. Das Gesicht des Mannes kommt der Schreiberin bekannt vor. Zuhause nachgeschaut, zeigt sich, dass diese Leute in der Urker Tracht hier flanierten. Der Mann wurde in einer Doku über Holland porträtiert.

Während wir noch im Sixhaven liegen, herrschen in Kanada grosse Waldbrände, welche Rauchpartikel  bis hierhin schicken und den Himmel milchig erscheinen lassen. Starkwind verärgert das Ganze.  

Thomas Kruthoff schreibt vom Erdbeer-Mond, der nun zu sehen sei, den letzten, den es bis 2043 gebe. Dem Skipper gehts kaum besser. Auf dem Weg zum Einkaufen huscht eine Ratte aus dem Hafengelände in den Nachbargarten. 

Was eindrücklich ist in diesem Gebiet neben der Schleuse, ist, dass die Nachbarschaft in Gemeinschaftsarbeit das ganze Gelände bearbeitet und zu einem kleinen Familienpark umgestaltet hat. Man merkt aber, welcher Bevölkerungsteil hier vorherrscht. Eine Gruppe Frauen mit dichten Kopftüchern besetzt die ganzen Sitzbänke und Tische, um darauf ihr Picknick auszubreiten. Wenn also eine kleine Familie dasselbe tun möchte, müsste sie eigene Stühle, Grills und Tische mitbringen. Dieses Verhalten wirkt nicht besonderes rücksichtsvoll oder freundlich. 

Eclipses Wendekreis in Gelb, bevor sie am Quai liegt.
Rund 5 Uhr morgens kehrt Ruhe ein
und das Aus-Checken rückt näher.
Alles in Ordnung, obwohl auch hier der Wind den Festmachern zu schaffen machte.
Auch die Halsband-Sittiche bleiben dem Standort treu.
(Fast) Alle Fotos sind gemacht, es braucht nur noch einen Waggel durch
das "Trekpleister" A`dam. Doch dieser Löwenkopf für 
den Flaschenzug muss sein.
Naja, und der Dolen-Deckel. Auch hier die drei x für die 
überstandenen Katastrophen, wie Brand, Hochwasser und Pest.
Am Morgen des 6. Juni liegt wieder Cork vor dem 
Bug der Eclipse, nachdem sie am 4. Juni
abends bereits in A`dam abgelegt hat.

Der nun umgekehrte Blick auf die Eclipse, statt wie beim Start der 
Kreuzfahrt, von ihr herunter.






Sie ist entwschunden und damit der Blick auf die Centraal-Station 
wieder frei.
Auch auf der BonBini übernachtet sich`s wieder bestens.
Das Kreuzfahrt-Wetter bleibt uns treu.
7Bft verlocken nicht zum Segeln.
Weil es grad wettermässig noch so weitergeht, wird
die Infrastruktur des Hafens genutzt. Waschen mit der Appwash.
Und hier wird wieder kein Wässerchen getrübt, was doch vielleicht 
 seglerische Planungen erlaubt.