Dieser Beitrag spielt Mitte Juni 2025
Wenn geisterhafter weisser Dampf dem Auspuff entsteigt
Bei strahlendem Sonnenschein und vier Beaufort Ost setzen wir die Segel. Nur auf der Höhe von Marken ist es kurz nötig, einen Schub mit der Maschine zu geben, damit wir um seine Ostkardinale gut herum kommen. Hier wird an der Verstärkung und Verbreiterung des Zugangswegs zum Leuchtfeuer sowie der Erhöhung und Verstärkung der Schutzdämme von Monnickendam gearbeitet.
| Was soll dieses Bild eines der beiden riesigen Masten der Hochspannungsleitung? Zu dem Zeitpunkt war uns etwas noch nicht bekannt. |
So segeln wir also auf einem Bug von der IJ bis vor Hoorn, wie herrlich! Dass in dieser Gegend ein Überfluss von Kraut wächst, auch im Fahrwasser, ist bekannt. Trotzdem finden wir es unangebracht, dass sich von diesen langen lästigen Stängeln wieder welche in Schraube und Ruder verfangen haben.
Später stellt sich heraus, dass der mangelnde Vortrieb nicht nur dem Gemüse geschuldet ist. Schon am Morgen in der IJ, nachdem wir zügig geschleust worden sind und kaum auf die Brückenöffnung warten müssen, klagt der Skipper über Unregelmässigkeiten.
Mit behendig wechselndem Vorwärts- und Rückwärtsgang im Vorhafen Hoorn liefert der Auspuff geisterhaften weissen Dampf. An der Stadskade im Gemeentehaven Hoorn testet René weiter, füllt mehrfach Kühlflüssigkeit für den inneren Kühlkreislauf nach, weil diese scheinbar einfach verdampft.
Am Telefon verspricht der Mechaniker, gleich am Freitag zu kommen. Da wird sich auch sofort zeigen, wie praktisch es ist, dass wir direkt an der Hafenmauer liegen.
Wie versprochen, berücksichtigt der Bootsmechaniker uns auch wirklich schnell an diesem 30°-heissen Freitag. Um halb zwei ist er mit seinem Boot an unserem fest und findet Verschiedenes. Die Endursache ist ein durch Rost vergrössertes Loch am Motorblock vor dem Auspuff-Krümmer. Doch auch anderes ist nicht gut. Die Dichtungen am Wärmetauscher wurden in Laboe 2023/24 nicht nur eingeklemmt (was der Skipper damals zum Glück rechtzeitig entdeckte und nacharbeiten liess), sondern auch falsch eingesetzt. Dies ist zwar jetzt nicht ursächlich für den Motorschaden, sondern "nur" für die Kühlung selbst.
Jedenfalls versucht Mark Gonggrijp auf Montag Ersatzteile zu finden und melde sich wieder, was dann sehr zuverlässig klappt. Das Ersatzteil passt Mark sogar farbtechnisch an seinen Einsatzort an. (info@jachtservicehoorn.nl).
Damit Mark mit seinem Boot richtig anlegen kann, hängten wir gestern die Tafel "belegt" an die Reling, nachdem wir mehrere Päckchen-Fans darüber informieren mussten, dass wir den Mechaniker erwarten. Das passt dann tatsächlich bestens. Eigentlich hätte Mark gerne, dass wir mit der Karte auf seinem Büro bezahlen würden, war dann aber damit zufrieden, dass wir ihm die Bankbstätigung des Auftrags per E-Mail senden. Wenn ihn öfters jemand über den Betrag von 2500.- Euro betrügen würde, hätte seine Werkstatt wohl kaum Dauer. Segler segeln weg.
| Blumenschmuck in der Hafenmauer. |
Ob der schwarze Motorsegler so bald wieder loskommt? Ein Blässhuhn bezieht Stellung auf der Badeplattform. |
Tücken der Elektronik
Wenn man reist, muss man auch immer wieder Abfall entsorgen. Häufig gelingt das ganz gut, vor allem, wenn Glas und Pet in die Läden zurückgebracht werden kann, was sich gleich mit dem Einkauf erledigt. Doch in Hoorn ist nirgends ein vernünftiger Abfall-Behälter zu finden. In der Gebrauchsanweisung zum QR-Code, den wir beim Entrichten der Hafengebühr erhalten und fotografiert haben, steht dann, dass man die Behälter mit QR-Code nutzen müsse. Aha, mal suchen.
| Es ist gelungen! |
Tatsächlich, von solchen stehen einige (noch) funktionierende hier in der Nähe und beim Hafenbüro.
Die Anweisung steht deutlich oben auf dem Container. Scheint alles klar oder? Mehrere Sekunden auf den Knopf drücken, den Piepton hören und anschliessend den QR-Code scannen.
Was kriege ich mit dem Scan?! Werbung für diverse Abfall-Systeme! Dabei sollte mit dem Scannen und auf den Knopf Drücken der Container sich öffnen. Oh je. Da steh ich nun, ich armer Tor ... . Gerettet werde ich durch eine Mitbenutzerin, welche mir erklärt, dass da nicht mit dem Handy ein Code gescannt werden, sondern der erhaltene QR-Code an den Scanner gehalten werden müsse, also unten an dieses Ding, das da so ein bisschen schräg aus dem Kasten heraussteht, oberhalb der weissen Pfeile. Genau, da macht ein kleiner weisser Pfeil darauf aufmerksam, dass man den QR-Code scannen müsse. Irgendwie nicht nur Tor, sondern Sisiphus dazu und immer noch quasi ... so klug als wie zuvor.
Das ist aber noch nicht das Ende, oh nein. Jetzt gilt es zusätzlich zirkusreife Artistik und Beweglichkeit zu zeigen. Der eigene QR-Code auf dem eigenen Handy ist nur ein Teil des Sesam-Öffne-Dich. Er soll bitte auch lange genug auf dem Handy-Bildschirm sichtbar bleiben, dass ich mit dem Telefon in der rechten Hand und nicht verkehrt herum unter diesen Scanner komme, während ich gleichzeitig oben mit der Linken 5 Sekunden lang auf den Knopf drücke, nach dem Piepton immer noch mit der Rechten unter dem Scanner bereit bin, mit der Dritten dann die Schublade öffne und mit der vierten Hand den Beutel auch noch hineinschwinge. Vorsicht, das Handy muss in der Hand bleiben und darf nicht mitgeschwungen werden. Uff!
Waggel durch Hoorn
Im Appelhaven sitzen wir im Kneipen-Boot und schauen den SUPern zu, wobei das wohl für die Brücke eher Sit-up-, statt Stand-up-paddeln heisst. |
Mord an Bord
Hennen-Abend: Unser Päckli-Lieger mit grosser Badeplattform muss die Hauptperson ermorden. Das Absperrband für den Tatort wird ausgerollt. |
Das Opfer darf nach dem dokumentierten Mord wieder aufstehen und schafft es gut zurück an Land über die beiden Boote. |
| Ins Nirwana gings wohl nicht. |
Die Schiffsjungen halten Ausschau nach der Bontekoe, mit der sie 1618 bis 1620 nach Ost-Indien fahren. |
Essen im Turm
Auch zum Reservieren gibts Musik.
| Das Einhorn als Symbol von Hoorn hält die vier Wappen der Bürgermeister zusammen, unter welchen der Turm seine erste Renovierung erfuhr. |
| Menüwahl am gelungenen Abend. |
Das Einhorn ist nicht einfach ein Pferd mit Horn auf der Stirn, sondern steht im Wappen Hoorn für Frieden und Wildheit. Obwohl England und Holland im Laufe der Jahrhunderte in viele Kriege gegeneinander verwickelt waren, gilt für beide das Einhorn als Wappentier.
Im Turm, im dem wir nach über die Jahre immer wieder missglückten Versuchen, endlich einen Platz fürs Abendessen reservieren können (René hatte es 2019 mit Christoph zuletzt geschafft.) geniessen wir ein äusserst schmackhaftes Menü. In Holland werden die Beilagen stets sehr reichhaltig in Extra-Schälchen zum Fleisch serviert. Zum Tournedos mit Pfeffersauce wurde Spargel, Karotte, frischer Cole-Slaw, gedämpfter Chicorée mit Käse überbacken und Pommes gereicht.