Montag, 14. April 2025

Hundeschwumm in Lelystad

Dieser Beitrag spielt am 31. Juli 2024

Das Jahr der Nostalgie

Nein, nein, diesmal gehts nicht einfach von A nach B, sondern mit Umwegen über länger nicht mehr besuchte Häfen und Schleusen.

Meist fuhren wir ganz direkt, wenns von Stavoren losging oder dorthin zurück. Das nächste ist jeweils Enkhuizen, dann der Navidukt mit Kurs nach Amsterdam. Da waren wir aber gerade eben mit vollem Genuss. In dem Fall nehmen wir die östliche Schleuse, um vom Markermeer ins IJsselmeer zurück zu gelangen. Vorher hatten wir Muiderzand besucht, unseren Langzeit-"Heimathafen", sozusagen, was Jahre links liegen gelassen wurde, genauso, wie Hoorn, wo wir uns gerade noch befanden und seine mittelalterliche Ruhe erlebten. Jetzt also steht der dritte Ort an, den wir aus Nostalgie-Gefühlen wieder einmal anlaufen.

Nun erstmal auf durchs Kraut-, eh, Fahrwasser, als ob wir die Nase nach Enkhuizen umrunden wollen. Das Kraut ist tatsächlich im Fahrwasser nach Hoorn besonders dicht und schnell wachsend, weil man es nicht kürzer als 60 Zentimeter schneiden darf. Wir halten Kurs Ost. Da liegen nicht mehr einfach jährlich andere Kardinalen und Streifen von Dünen an Backbord, sondern eine ganze Inselgruppe, die über Jahre hinweg entstand und aufgeschüttet wurde, wie ihr Pendant vor Amsterdam. Genannt wird die neue Idylle Marker Wadden. 

Schon in den ersten Jahren wurden diese anfangs nur kleinen und wenigen Inseln von interessierten Zugvögeln als Rastplatz benutzt. Bald schon begannen gewisse Arten hier nicht nur zu rasten, sondern auch zu brüten. Die zugehörige Homepage informiert laufend über Neuzugänge und Anzahl der geflügelten Gäste. Gäste: nicht nur ist für die Tiere gesorgt und das Ganze als zusätzliches Naturschutzgebiet ausgewiesen, sondern auch für die menschlichen Touristen. Nebst einem nun gut ausgebauten Hafen für Freizeit-Boote, bietet eine Anlegestelle für Fähren den übrigen Besuchern die Möglichkeit, die Fauna und Flora auf der Düne zu beobachten. Mit Planken-Wegen und Verstecken hinter Brettern wird eine phantastische Gelegenheit geboten, den Tieren nahe zu sein, ohne sie zu stören. Inzwischen stehen hier auch rustikale Übernachtungsmöglichkeiten, sodass diese Landschaft als Ferien-Ausflug bestens für die Familie geeignet ist. Man hat erkannt, dass Natur am leichtesten zu schützen ist, wenn man den Menschen mit einbezieht und ihn erleben lässt, was er da eigentlich schützt. Es sollen hier ja ebenfalls Rückzugsgebiete für Fische bestehen, die Ruhe haben zum Laichen, ohne dass sie befischt werden können. 

Diese Inselgruppe aber lassen wir an Backbord liegen und halten Kurs Richtung Lelystad. Die Schleusentore werden offen gehalten, bis wir auch drin und fest sind. Weit hinten sind noch Boote sichtbar, von welchen nicht sicher ist, ob sie noch für diesen Schleusengang zugelassen sind. 

Das grosse Hundedrama

Alle sind fest, schauen nach vorn zur Brücke, die auch geöffnet werden muss, als es an Backbord einen grossen Platsch und aufgeregtes Rufen gibt. Sofort drehen sich aller Blicke in die Richtung des Geräusches, wo sich ein Drama abzeichnet. 

Ein Golden Retriever treibt ohne Schwimmweste zwischen zwei Motorbooten. Vom sehr hohen Motorboot steigt nun eine Frau hinunter, während der Skipper entsetzt und hilflos die gut zwei Meter ins Wasser hinunter starrt. 

Die Hilfsaktionen beginnen von allen Seiten, teils hektisch, teils wohl überlegt. Der Hund versucht, an die Leiter in der Spundwand zu kommen, sich mit den Pfoten daran festzuhalten, während die zughörige Frau ihn hinaufzuschubsen versucht. Die Schleusenhelfer beantragen eine Schliessung der Schleusentore, damit der treibende Hund nicht zusätzlich durch rotierende Schrauben weiterer einlaufender Boote gefährdet würde. Mit einem Rettungshaken versuchen diese Angestellten die Frau in ihren Versuchen zu unterstützen, den Hund irgendwie die Wand hochzukriegen. Ohne ihn zu erwürgen geht das aber nicht, darum wird dieser Versuch abgebrochen. Nun wird ein Rettungstuch zum Vorschein geholt. Hilft auch nichts. Das kriegen sie nicht unter den Hund. Leider verfügt dieses Motorboot über keine Badeplattform. Würde der Hund zu uns schwimmen, könnten wir ihn darüber mit Unterstützung hochhieven. Schwer ist so ein Golden Retriever ja schon. Es müssen ungefähr 30 Kilo plus das Wasser im Fell hochgestemmt werden. Sollte der Hund sich selber retten müssen, gelänge das nur ausserhalb der Schleuse, wo das Ufer im IJsselmeer wieder flacher wird. Wie aber käme er dann zurück aufs Boot? Da ist nichts.

Schliesslich haben die Damen vom hinteren Nachbarboot die rettende Idee. Sie lassen eines ihrer Surfbretter an einer Leine ins Wasser, wohin die eine Mitfahrerin auch schwimmt und das Brett nun mittels Paddeln mit den Händen Richtung Frauchen und Hund treibt. 

Nach bangen Minuten gelingt es diesen beiden Frauen, den Hund auf das Brett zu schieben, das Brett zur Badeplattform der Fremden zu bringen und den Hund jetzt mit einem Tuch der Schleusenwärter und deren Hilfe bis auf die Mole hinauf zu tragen, von wo er glücklich gerettet zurück aufs eigene Boot gelangen kann. Ein grosser Applaus steigt aus der Schleusenkammer zum Frauenboot hinüber. 

Den Anfang des Dramas bildete wohl die übergrosse Freude des Hundes bei der Sichtung von Rasen. Der Golden Retriever muss vom Boot aus die Distanz zur Mole falsch eingeschätzt haben beim Sprung dorthin, so dass er zu kurz sprang und im Wasser landete. 

Wäre das nicht gut ausgegangen, hätte man kaum darüber berichten dürfen, obwohl es auch dann als Lehrstück für unbedarfte Hundehalter dienen könnte. Es ist jedenfalls zu hoffen, dass der Hund von jetzt an an Bord eine Schwimmweste trägt und längs des Wassers statt eines Halsbandes ein Brustgeschirr mit Handgriff um hat, an welchem er leicht wieder aus dem Wasser zu ziehen ist. nicht jedesmal stehen so viele helfende Hände bereit, um einzugreifen.

Alles gut

Allseits erleichtert wird der unvollendete Schleusenvorgang fortgesetzt und wir nehmen Kurs Nordost Richtung Urk.
Quelle: Open Streetmap.
Lelystad kommt in Sicht.
Vorläufig noch sieht man von überall her auf dem Markermeer zur
Orientierung  entweder die Hochspannungsmasten bei Durgerdam 
Richtung Amsterdam oder im Nordosten den Sendeturm von Lelystad.
Ein Nachbau der Batavia, benannt nach dem Hafen in Jakarta (Indonesien). 
ohne Worte
Ein Pendant als Denker steht im Hafen von Kopenhagen,
aus lauter Werkzeugen zusammengebaut.
Wie glücklich sind wir gerade noch, so schnell geschleust zu werden
durch die Houtribsluizen in Lelystad.

Festmachen, ablegen und losfahren, nach ...
... dem Glück im Unglück für den langsam erschöpften
Hund und sein Frauchen.