Dienstag, 22. April 2025

Pizza in Hindeloopen

Dieser Beitrag spielt vom 3. bis zum 12. August 2024

Freundliche Begleitung Richtung Norden

Nachdem wir in Urk der Lokal-Historie nachgegangen sind, verabschieden wir uns von unseren Freunden vor dem Auslaufen. Das Einkaufen im Boni ist sehr praktisch und nahe gelegen. Ein Feuerwerk am Abend des 1. August liess uns wissen, dass noch andere Schweizer der Gründung der Eidgenossenschaft gedenken. 

Der Himmel ist bedeckt, mit 998 hPa steht der Luftdruck nicht gerade hoch, es ist frisch.Wir nehmen Kurs Richtung Norden und wissen noch nicht so recht, wohin es uns treiben wird. Sollen wir das nahe Andijk ansteuern? Das wäre ebenfalls ein "Nostalgie"-Hafen, den wir schon länger nicht mehr besucht haben. Oder gehts nach Medemblik? Schöne Erinnerungen an den Dampfzug und die Jungmannschaft der Aquarius-Crew verbinden uns damit. Auch das Ankern in der Bucht davor birgt angenehme Erinnerungen. Ein Traditions-Schiff der "Bruine Vloot" hält Kurs direkt auf uns, statt auf die Einfahrt zur Stadt. Eine Gruppe junger Leute steht an der Reling am Bug. Je näher sie kommen, desto besser hört man, dass sie singen. Was wollen sie uns zeigen? Ja, jetzt, jetzt vernehmen wir den Text und die Melodie. Es ist auch ein 1. August. Sie singen zu Ehren unseres Nationalfeiertages unsere Nationalhymne, weil sie unsere Schweizerflagge am Heck erkennen. Wir bedanken uns bei diesem Stand-up-Chor herzlich mit lautem Rufen und starkem Applaus aus zwei Paar Händen.

Doch der Wind bläst so gut, dass wir diesmal nicht westlich halten wollen, sondern auf Nordkurs bleiben. Ein weiters Segelboot wird im Kielwasser sichtbar. Eine SMS kommt herein. Aha, danke vielmals, ja, wir sind jetzt auf dem Weg nach Hindeloopen. Treffen wir uns dort? Gegenseitiges Knipsen der Boote beginnt, denn es gibt selten eine Gelegenheit, sich selbst auf seinem eigenen Boot segelnd von aussen zu betrachten. Wir werden also die Scholli-Crew in Hindeloopen zum Abendessen treffen.

Der Gemeindehafen ist schwer überfüllt. Neuner-Päckli liegen dicht an dicht. In dem Fall wird's die Marina Hindeloopen, in der wir am zweithintersten Steg bestens aufgehoben sind. Es dauert nicht mehr lange, bis auch die Scholli festgemacht hat. Die Nexus erhält später auch einen Platz im vorderen Teil der Marina. Das heisst, sie folgten dem Ruf des Windes ebenfalls und liessen sich gen Norden treiben. 

Jedenfalls reserviert Nicole in der Pizzeria an der Schleuse für sechs Personen zum Abendessen, wo wir drei Crews einen herrlichen Klönschnack-Abend verbringen. Irgendwie machen sich Kopfschmerzen im Haupt der Schreiberin breit. Jedenfalls verabschieden wir uns von der Nexus-Crew, wandern mit der Scholli-Crew zu unseren Booten, wo die beiden Frauen auf je ihrem eigenen Schiff die Kojen aufsuchen, die beiden übrig gebliebenen Skipper aber sich im Ausgang über die Vor- und Nachteile einer Bavaria unserer Grösse unterhalten.

Die BonBini auf dem Weg nach Hindeloopen.
Die Scholli als Begleitschiff ebenfalls auf dem Weg dorthin.
Im Hochfomat passt ein Segelboot einfach besser aufs Bild.
Stimmungsvolle Scholli im Visier.
Auch im Querformat lieben wir unsere BonBini.
Ungefährer Treffpunkt. Ohne AIS der Scholli. 
Wohlgefüllter Stadthafen.
Der Outlet-Laden im Hintergrund.
Immer nochmals um die Ecke vor Hindeloopen.
Der letzte Track ist zum Glück auch später noch festgehalten.
So um 15 Uhr herum haben wir an einem idealen
ruhigen Ort festgemacht.
Auf dem Plotter scheint der Stadthafen eher leer zu sein.
In der Pizzeria "Oost Achterum" an der Schleuse.
Christian und Nicole ebenda.
Schon am folgenden Tag verabschieden sich die beiden Freundes-Schiffe, die Scholli mit dem Ziel Heimathafen, die Nexus hingegen Richtung ewig lockende Waddenzee. Die Autorin meldet sich auch für drei Tage ab, nämlich Richtung Koje, denn sie ist krank. 

Trotzdem gibt es täglich einen kleinen Waggel, denn Bewegung sei ja gesund. Das Café "De Boekanier" empfängt uns mit Kaffee, die Croissanterie im Werftgebäude verkauft bis um 11 Uhr frische Brötchen und der kleine Laden mit Artikeln rund ums Schiff verkauft uns je ein passendes T-Shirt. Es sind heisse Tage, und die Erkältung geht langsam vorbei. Lustig ist, dass der Luftdruck die ganze Zeit bei 998 hPa bleibt, ob strahlender Sonnenschein, starke Bewölkung oder Federwolken den Himmel zieren.
Direkt am Stadthafen gelegen. Bei grossem Andrang wird auch auf der
Mole serviert.
Still im Hafen liegend ist die BonBini ein beliebtes Fotosujet.
Wie der Himmel sich spiegelt.
Die Zeit wird auch bei der Schleuse angegeben.
Der schiefe Turm von Hindeloopen ist des Städtchens Wahrzeichen.

Velo: Miete statt der Eigenen

Am Mittwoch weht in der ganzen Hitze ein frischer Wind. Internet sei Dank findet der Skipper eine Garage, die auch Fahrräder vermietet. Auch gebrochene Rippen halten nicht von einer neuen Velo-Tour ab. Dazu spazieren wir der Strasse am Deich entlang aus dem Dorf hinaus und dann Richtung Osten. Die Gazelle ist perfekt. Viel bequemer für eine lange Tour, als unsere Falträder. Ein Depot verlangt der Garagist nicht. Wir bezahlen 25 Euro je Rad für den Tag und können starten. Die Tour führt uns über Workum nach Makkum und nach Hindeloopen zurück. Damit Abwechslung herrscht, gehts hin durch das Städtchen Workum, zurück aber dem Deich entlang. Selbstverständlich müssen wir am Bahnhof Hindeloopen erneut das "verkehrte", auf den Kopf gestellte Haus fotografieren. Es sieht einfach jedesmal wieder eindrücklich aus, wie es da auf seinem Dach steht und im Parterre zuoberst die Dachfenster zeigt. Leider ist inzwischen das alte, noch aufrecht stehende Bauernhaus abgerissen, sodass der Vergleich nicht mehr ersichtlich ist.

Der Wegesrand hat viel zu bieten: Acker-Gänsedistel.
Grosskelchiges Johanniskraut.
Gewöhnliche Pestwurz
Zottiges Weidenröschen
Bisschen Schilf
Eine hübsche Hindelooper Gracht.
Die Kaisergans ist ein Zugvogel und sollte überhaupt nicht hier sein, sondern
an den Küsten Sibiriens oder Alaskas.
Durch Workum zu fahren ist etwas ziemlich Anstrengendes und Labyrinth-artiges, besonders, wenn noch Markt herrscht, was ja ganz genau passt zum "Mektig", wie man den Mittwoch an gewissen Orten auch nennt: Markt-Tag. Auf Italienisch wäre in dem Fall der Merkur für den Markt am Mittwoch auch zuständig? Trotzdem ist es ein hübsches Städtchen, wie auch seine anderen zehn Schwester-Städte in Friesland, mit seinen vielen Backstein-Gebäuden, den gepflasterten Strassen und Trottoirs. Dank seiner Enge halt auch ein schwieriges Revier für Fahrräder.

Deswegen entscheiden wir uns, den Rückweg dem Deich entlang zu nehmen, jedenfalls so lange es geht, statt dem Slalom durch die Häuser erneut zu folgen. 

In Makkum: Nicht "het Posthuis", sondern "it Posthûs" auf Friesisch.
Unsere Gazellen.
Am Ende der Wasserstrasse zum Städtchen liegt der Passantenhaven.
Spannend, was die Fenster unter der Brücke sollen.
Drandenken, wenn wir mal nicht gleich im Vereinshafen am 
IJsselmeer liegen möchten.
Diesen Abfallsammler trafen wir schon in Muiderzand und in Medemblik
im Wasser des Hafens an, wo er alles treibende Zeug aufsammelt.
Die Deichpfleger am Verdichten der Grasnarbe.
Grosses Flohkraut
Pastinak
Weisse Seerose
Europäische Seekanne (und ich dachte, gelbe Seerose, grins)

Wieder ein Zottiges Weidenröschen.
Blick nach Workum auf dem Rückweg.
Super Akku: Nach dieser Reise könnten ebenan noch immer 177 Kilometer
zurückgelegt werden.
Weit hinten im Passantenhaven von Makkum
Diese Mühle liegt ein Stück zurück.
Der schiefe Turm von Hindeloopen und sein Hafen.
Faszinierend. Dieses Haus steht beim Bahnhof Hindeloopen.

Weitere Impressionen aus Hindeloopen (Hylpen)

Nachdem wir die Räder wieder abgeliefert haben, entscheiden wir uns, über den Deich zurück zum Boot zu laufen. Auch die nächsten Tage gibt es immer wieder ein paar Eindrücke in der Stadt festzuhalten, jedenfalls neben dem Waschen, Einkaufen, Haushalten, Ausgehen. Wir bleiben bis zum Montag, 12. August hier und fühlen uns wohl. 
Am Donnerstag steigt der Luftdruck etwa auf 1000 hPa und es ist "nur" noch 26°C warm.

Dass der Umgang mit diesen Geräten in dieser Dichte noch gelingt!

Er kommt keinen Schwimmern in den Weg, als er stets aufs Neue
über die Begrenzung des Badeplatzes surft.


Dieses Pegelhäuschen wurde im Jahr 2016 auf den Fundamenten
der damals noch
 nötigen Pegelmessstation errichtet.
Hier wird erklärt, wie diese Messhäuschen ausgestattet
sind und funktionierten, um den Pegel der Zuiderzee zu messen,
als noch Tiden herrschten, denn dies ist nur eine
der vielen Pegelmess-Stationen von damals.
In diesen Windpark wollte uns der Wind treiben, als wir
durch die Lorentz-Sluis wieder ins IJsselmeer einliefen.
Mmmmhhhh.
Rispen-Hortensie
Garten-Hortensie
Eher strenge Brise.





Wer hier zurecht kam, hatte damals kein Recht auf ein kirchliches Begräbnis.
Eine Eule als Windspiel.


Ein windiger Tag
Mit Basaltstäben ist der Hafen gesichert.
Die untergehende Sonne setzt das Werftgebäude in Brand.
Gemeines Kurzbüchsenmoos
Der Blick nach oben zeigt zwei hungrige Köpfchen von Rauchschwalben.
Ist das Boot noch zu handeln in diesen Bedingungen?
Im sicheren Hafen einen Platz suchen.
Wenn da noch ein drittes Boot festmachen möchte, um sich anzumelden,
hat es Pech, denn man kann ja nicht einfach die Knie der Touristen
zerquetschen.

Kein wirklich ruhiger Liegeplatz

Endlich einmal gehts auch in Hindeloopens Museum, das noch gar nicht so lange überhaupt in seiner jetzigen Form existiert. Im folgenden Bild werden einige Friesische Ausdrücke mittels Postkarten erklärt. Geschrieben wird manches wie in Englisch, aber anders ausgesprochen. Sea, tea, slide. Andere Begriffe versteht man geschrieben, aber nur dank der erklärenden Bilder. fyts, Yselmor, braa, hûnd, skippen, hùs, andere auf keine Art, weil sie so alt sind.
Spezifisch Friesische Begriffe und Ausdrücke werden erklärt.
Hier besteht das Windspiel aus Schwalben.
Königin Maxima eröffnete das erneuerte Hylper Museum
Herbstanemone, die auf den ersten Blick nach einer Hundsrose aussieht.
Ein Aronstab, dessen Frühcte noch lange mit ihrem Rot erfreuen.

Asiatische Kermesbeere, die auch in Tenero TI wächst.
Mit diesem Bild des zunehmenden Mondes nimmt auch unsere Lust 
zum Weitersegeln zu, weswegen wir uns morgen von Hindeloopen für 
diese Saison verabschieden.